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Buß- und Bettag 2019 – ein Angebot zur Entlastung und Befreiung

Wort zum Buß- u. Bettag

Der Buß- und Bettag war schon immer ein Thema, bei dem man es nie allen recht machen konnte. Dabei lag aber das Schwergewicht immer auf dem ersten Teil, der die Buße in den Vordergrund stellt.

Bußtage wurden meist von der Obrigkeit nach einer Katastrophe angeordnet. Dem so genannten „gemeinen Volk" wurde zwar der Sinn nach Buße nahe gebracht, aber ob ein Bußtag stattfindet oder abgesetzt wurde, darüber entschieden nur die „Regierenden", wie das auch 1995 der Fall war, als der Bußtag als gesetzlicher Feiertag gestrichen wurde. Früher gab es meist einen Wirbel, wenn ein Bußtag angeordnet wurde, 1995 gab es einen mehr oder weniger großen Wirbel, als er abgeschafft wurde und viele haben sich bis heute nicht damit abgefunden.

 

Es gibt noch einige wenige Kirchengemeinden, die den Buß- und Bettag weiterhin als Feiertag halten, wie z.B. die Kirchengemeinden Weiltingen und Veitsweiler in der Nähe des Hesselberges, wo an diesem Tag die Arbeit ruht, Geschäfte, Handwerksbetriebe, Arztpraxen, Banken und das Rathaus geschlossen sind, und in beiden Kirchen gut besuchte Gottesdienste stattfinden.

 

Wenn früher Bußtage angeordnet wurden nach einer Katastrophe, war das meist die Folge einer späten Einsicht, daß man etwas falsch gemacht hatte, aber besser eine späte Einsicht, als gar keine, denn aus Fehlern kann man lernen. Kein Mensch ist ohne Fehler und vor allem nicht, was die Befolgung der göttlichen Gebote und Ordnungen angeht, die dazu dienen, dass man über sein Leben immer wieder einmal nachdenkt, damit es eben erst gar nicht zur Katastrophe kommt, auch wenn die Voraussetzungen oft in reichem Maß vorhanden sind.

 

Leider wird Buße immer im Zusammenhang mit Strafe gesehen.

Wer hat nicht schon einmal einen Bußgeldbescheid bekommen, weil er sich im Straßenverkehr nicht richtig verhalten hat, falsch geparkt hat oder zu schnell gefahren ist. Das ist aber nicht die Sicht von Buße, was sie eigentlich sein will, sein kann und letzten Endes auch ist. Buße in erster Linie im Zusammenhang mit Strafe oder Bestrafung zu sehen, ist falsch.

 

Buße will nicht belasten, sondern entlasten, nicht einsperren, sondern befreien, nicht niederdrückt, sondern aufhelfen. Buße bedeutet, dass ich eine Last ablegen kann bzw. dass mir eine Last abgenommen wird.

Buße bedeutet, daß ich mein Leben überdenken darf und dass ich mir nichts vormachen muss und dass ich frei zugeben darf, was mich beschwert und belastet, ohne dass ich mit Strafe rechnen muss und ohne dass ich fürchten muss, mein Gesicht zu verlieren.

Jeder Verstoß gegen irgendein Gesetz ist letzten Endes auch ein Verstoß gegen ein Gebot Gottes, weil sich alle Gesetze irgendwie auf Gottes Gebote zurück führen lassen, entweder als Zustimmung oder Ablehnung.

 

Vor Gott kann ich offen sein und muss nichts verbergen, weil er mich sowieso durch und durch kennt. Er allein kann mich auch lossprechen von der Last, die auf mir liegt, die mein Leben unfroh macht. Er zahlt zwar nicht meinen Bußgeldbescheid, aber das Lösegeld ist bezahlt für die Schuld, die mein Leben gefährdet hat. Das Kreuz ist das Zeichen dafür, dass Buße frei macht, weil die Schuld beglichen ist und dass ich das Angebot der Befreiung annehmen kann, ohne besondere Leistungen dafür bringen zu müssen. „Durch tägliche Reue und Buße", wie Dr. Martin Luther rät, dürfen wir die Befreiung von allem, was uns belastet annehmen, wenn wir erkennen, dass unser Leben nicht ohne Fehler ist und wenn wir darum bitten, dass uns Gott durch seinen heiligen Geist hilft, dass es erst gar nicht zu Fehlern kommt.

Weil aber kein Mensch fehlerfrei leben kann, betont Luther die „tägliche Reue und Buße", das sich erst gar keine Last aufbaut, die schließlich so groß wird, dass wir keinen Ausweg mehr sehen und das Leben freudlos wird.

 

„Buß- und Bettag" heißt der Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag immer noch und die Gottesdienste in den Gemeinden zeigen weiter hin, dass er nicht aus dem Gedächtnis verschwunden ist. Der Aufruf zur Buße schiebt die zweite, nicht weniger wichtig Seite dieses Tages oft in den Hintergrund, nämlich das Gebet. Solange Menschen miteinander reden, können sie sich nie ganz entzweien. Das gilt für jeden einzelnen Menschen, aber auch für die Staatsoberhäupter und Gewaltigen dieser Welt. Solange sie noch miteinander verhandeln, sind Auseinandersetzungen kriegerischer Art noch hinaus geschoben.

Miteinander reden, damit es erst gar nicht zur Katastrophe kommt.

Im Gespräch können Dinge im Vorfeld geklärt werden, die ohne Gespräch schneller eine Katastrophe auslösen könnten.

Das Gebet ist ein Gespräch mit Gott und da kann alles vor ihn gebracht werden belastet oder was sich trennenden zwischen ihn und den, der betet, geschoben hat oder schieben will. Das Gebet ist aber deswegen kein Gespräch ohne Antwort. Wer im Gebet mit Gott spricht, erhält zwar keine Antwort in der Art, wie wenn er mit einem Menschen spricht, der ihm gegenüber sitzt oder am anderen Ende der Telefonleitung ist oder mit Smartphon und Handy verbunden ist. Das Gebet ist ein Gespräch mit einer besondern Antwort, in die finden wir im Wort Gottes, in der Heiligen Schrift. „Suchet in der Schrift!" steht da die Aufforderung und auch die Zusage: „Suchet, so werdet ihr finden!"

 

Die Art der Lasten, die auf Menschen liegen, sind unterschiedlich und in unsren Tagen anders, als in früheren Zeiten und in der Zukunft werden sie wohl auch wieder anders sein, aber ein einem Punkt hat sich nichts geändert. Wer belastet ist, möchte frei werden, wer niedergedrückt ist, möchte auch wieder aufstehen können. Wie wir frei werden können, wie wir entlastet werden können, wie wir nach einem Fall wieder aufstehen können, dazu will der Buß- und Bettag da sein, zum Nachdenken über das Leben, zum Gespräch mit Gott, dass ich vor ihm niederlegen darf, was mich beschwert und zum Hören des göttlichen Wortes oder Lesen in der Bibel, wo das Angebot der Entlastung zu finden ist und viele Anweisungen sind, wie man wieder frei wird, weil auf den hingewiesen wird, der die Befreiung erkämpft hat, Jesus und deshalb die klare Aussage in der Bibel: „Welche der Sohn Gottes frei macht, die sind recht frei!"

Gilt es nur noch, dieses Angebot anzunehmen.

 

GÜNTER L. NIEKEL

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